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aktualisiert am 04.09.2010

  clover_next_1.gif  Die Orgelbau-Dynastie Stumm

         

Inhaltsverzeichnis

Heimat

Familie

Einige Daten in Stichworten

Generationen und Stilentwicklung

      1. Johann Michael Stumm (1683 – 1747), Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs

      2. Johann Philipp (1705-1776) und Johann Heinrich (1715?-1788)

      3. Philipp (1734-1814), Franz (1748-1826), Friedrich-Carl (1744-1823), Johann Michael II. (1732-?)

      4. Carl (1783-1845) und Franz-Heinrich (1788-1859)

      5. Friedrich Carl (1819-1891) und Georg Karl Ernst (1824-1869)

      6. Friedrich (1846-1921) und Karl (1847-1926)

      7. Kirner Werkstatt

 

 

Heimat

„Auf der Höhe des Hunsrücks, an der Wasserscheide zwischen Mosel und Nahe, an der alten Grenze der Erzbistümer Mainz und Trier liegen vor der Höhe des Idarkopfes auf einer Hochebene und in den Tälern des Hahnenbaches 17 Gemeinden, die das alte Hochgericht Rhaunen bildeten. (...) Dieses war mit 14 Schöffen besetzt, unter ihnen auch die Familie Stumm. (...) Wenn auch die Orgelbauerfamilie Stumm in Sulzbach und in einem Zweig in Kastellaun ansässig ist, so finden sich Mitglieder der Familie ... in vielen weiteren Dörfern des Hunsrücks. Durch Erwerb der Asbacher Hütte kam die Familie auch nach Hottenbach und zum Birkenfelder Hammer in die Gegend von Schauren. Weitere Zweige finden wir in Kirn, Kreuznach, Kempfeld, ... Veldenz und Stromberg.“

 

Familie

„Als erster der Familie wird Hans Stumm genannt, der 1688 stirbt. Von diesem Stammvater sind die verschiedenen Äste nachweisbar, die im Laufe der Familiengeschichte verschiedene Berufsstände vertreten. Ein Sulzbacher Ast wird durch die Schmiede, Hüttenbesitzer und Orgelbauer, (...) ein anderer durch Leineweber und Hosenstricker, Küfer, Schreiner und Schneider vertreten.

Der Sohn des Hans Stumm, Christian Stumm, von Beruf Schmied, ist der Stammvater der Hüttenbesitzer und Orgelbauer, sowie der Schmiede von Bollenbach. (...) Es ist erstaunlich, wie aus einer Familie Männer mit organisatorischer, handwerklicher und künstlerischer Begabung hervorgingen, die es einerseits im Hüttenwesen, andererseits in der Orgelbaukunst zu Leistungen brachten, die noch heute ohne Einschränkungen anerkannt werden müssen.“

(aus: Franz Bösken „Die Orgelbauerfamilie STUMM aus Rhaunen-Sulzbach und ihr Werk“, Mainz 1960)

 

Einige Daten in Stichworten

Früheste Orgel in Münstermaifeld 1722.

Insgesamt sind 370 Stumm-Orgeln nachgewiesen (erhalten ca. 140, unverändert, umgebaut oder teilweise erhalten, bzw. restauriert).

Letzte Orgel in Niederhosenbach 1896 (Sulzbacher Werkstatt).

Der Stumm-Stil besteht über Generationen in singenden, ein wenig streichenden Prinzipalen, weichen Flöten und kräftigen Zungen. Die Orgeln stimmen über Generationen in klanglichen, technischen und optischen Details überein.

Besonderheiten: Stimmung im Cornetton (1/2 Ton über Kammerton) bis Anfang des 19. Jahrhunderts (letzte Orgel: Kleinich 1809), Tremulant im Positiv, übereinander angeordnete Spanbälge, zuletzt Kasten- oder Zylinderbälge, ab etwa 1860, tiefere Stimmung der späten Stumm-Orgeln (z.B. Veldenz und Mülheim/Mosel) unter Kammerton, mechanische Traktur bis zuletzt in der Sulzbacher Werkstatt (Kegellade).

Zum Kundenkreis der Stumms zählen Kirchengemeinden, Abteien, Fürstenhöfe und Residenzstädte, evangelisch und katholisch, in Mosel, Eifel, Hunsrück, Rheinhessen, Pfalz bis Odenwald.

 

Generationen und Stilentwicklung

1. Johann Michael Stumm (1683 – 1747), Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs

Johann Michael Stumm war zunächst Goldschmied. Kurz vor seiner Heirat gewann er bei einer Verlosung eine kleine Hausorgel, die er selbst reparierte. Er ging bei dem Orgelmacher Jakob Irrlacher in Kirn in die Lehre, war 1714  Meister und begann in Sulzbach seine eigene Werkstatt. Seine Orgeln zeigen französischen Einfluss in der Disposition: Hauptwerk und Rückpositiv, sowie kräftige Zungenstimmen. Süddeutsch sind eher die Streicher (Salicional 2’/4’), der vollausgebildete Prinzipalchor und flötige Cornette.

Werke: Münstermaifeld 1722, Rhaunen 1723, Karden 1728 (einzige 3-manualige Stumm-Orgel an der Mosel), Leutesdorf 1735, Hottenbach (Hunsrück) 1737, Mühlheim/Eis 1738, Sobernheim 1740, Sulzbach 1746, Traben (im Ortsteil Trarbach 1748 von Joh. Nikolaus Stumm, Kastellaun), Wolf, Starkenburg, Lötzbeuren um 1743 und Kirchheimbolanden um 1748.

 

2. Johann Philipp (1705-1776) und Johann Heinrich (1715?-1788)

Johann Nikolaus (1706-1779), der in Kastellaun eine eigene Werkstatt gründet.

Die Werkstatt erlebt in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Blüte und den weitesten Wirkungskreis. Der Spieltisch seitlich wird zur Norm (vorher in der Mitte vor oder hinter dem Gehäuse), das Rückpositiv wird zum Echowerk/Unterpositiv im Gehäuse, mit 4’-Prospekt, Register in Bass- und Diskant geteilt.

Werke: Trier, Welschnonnenkirche 1757, Enkirch 1761, Meisenheim, Schlosskirche 1767/68, Raversbeuren um 1770, Irmenach 1776, Mainz, Augustinerkirche 1773, Framersheim ca. 1775,  Bendorf-Sayn, Abtei 1778, Schauren 1780, Amorbach, Abtei 1774-1782 (größte Stumm-Orgel mit ca. 50 Registern).

 

3. Philipp (1734-1814), Franz (1748-1826), Friedrich-Carl (1744-1823), Johann Michael II. (1732-?)

Stilistik wie 2. Generation.

Werke: Schlosskirche Herrstein, 1772, Hochstetten-Dhaun 1782, Hennweiler 1791, Kleinich 1809.

 

4. Carl (1783-1845) und Franz-Heinrich (1788-1859)

Stilistisch bleiben die Gehäuse innerhalb der spätbarocken Formensprache,  Rocaillen werden vom Empire-Dekor verdrängt, gelegentlich auch klassizistische und „ausgefallene“ Gehäuse wie in Treis (Lassaulx) und Thalfang. Klanglich werden die Zungen etwas romantischer, Terzen und Cornette verschwinden nach und nach, ebenso Vox humana und repetierendes Salicional. Stimmung auf Kammerton.

Werke: Meckenbach 1820, Niederhorbach 1831, Allenbach 1832, Bruchweiler 1833, Treis 1836, Trittenheim 1840, Geisenheim 1842, Pommern 1845, Hennweiler (Gehäuse) 1846.

 

5. Friedrich Carl (1819-1891) und Georg Karl Ernst (1824-1869)

Klang wird grundtöniger, 2’-Oktave verschwindet oder ersetzt die Mixtur, Viola da Gamba als Soloregister. Keine geteilten Register mehr. Positiv ins Untergehäuse ohne Prospekt eingebaut. Vorwiegend neoromanische und neogotische Gehäuse.

2. Manual als piano-Manual ausgebaut (mit Registern wie Äoline 8’ u.a.), Kegellade, Kastenbalg.

Werke: Beulich 1853, Stipshausen 1861, Grumbach 1863, Oberheimbach 1866, Thalfang 1876, Miesau 1882.  

 

6. Friedrich (1846-1921) und Karl (1847-1926)

Veldenz 1888, Mülheim/Mosel (1890), Oberkostenz 1891, Norheim 1895, Niederhosenbach, 1896.

Ende der Firma 1920

 

7. Kirner Werkstatt

Begründer der Kirner Werkstatt um 1890 waren Gustav (1855-1906) und Julius Stumm (1858-1885). Sie bauten Orgeln mit Kegelladen und mechanischer oder pneumatischer (?) Traktur. Etwa 20 Orgeln sind erhalten. Ende der Werkstatt 1906.Werke: Rhaunen (kath. Kirche), 1893; Mörschied, 1895.

 

Quellen:

  • Uwe Anhäuser im Trierischen Volksfreund Nr.88 (4/2002)
  • Domorganist Josef Still, Trier, Info-Schrift 16.03.02
  • Matthias Thömmes, Orgeln in Rheinland-Pfalz u. Saarland, 1981

 

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